3,45 Kilometer in 13 Stunden...

Diesen Beitrag habe ich im Heft Nr. 276 der DREHSCHEIBE gefunden und fand ihn sehr amüsant und möchte ihn nun hier mit euch teilen. Ein anderer Grund ist aber auch, dass dieser Beitrag sowohl die nördliche Heimat, als auch die südliche miteinander verknüpft.

"[...]Zunächst schiebt die Lok der Baureihe 101 die elf Schweizer Eurocity-Wagen vom Betriebsbahnhof Hamburg-Langenfelde in den Kopfbahnhof von Hamburg-Altona. In der Regel ist es da noch nachtschwarz, denn morgens um Viertel nach Vier ist es gerade mal im Hochsommer schon dämmrig. Kurz darauf, es ist gleich halb fünf, setzt sich der Zug in Bewegung. Auf die klassischen Ansichten im Hamburger Stadtgebiet muss man zu dieser Zeit allerdings noch größtenteils verzichten, denn es ist schlicht zu dunkel.

Nachdem der EC 7 alle Hamburger Fernbahnhöfe (Fahrplan siehe unten) abgeklappert hat, kann er schon Geschwindigkeit zulegen. Über die klassische Rollbahn (Name der Bahnstrecke von Hamburg nach Wanne-Eickel) geht es mit bis zu 200 km/h Richtung Bremen. Die Hansestadt mit ihrer beeindruckenden Bahnhofshalle erreicht unser Zug bereits zu einer beinahe humanen Tageszeit - immerhin steht schon eine fünf vor den Minuten, sodass auch schon erste Anschlusszüge für zusätzliche Kundschaft gesorgt haben. Aus Oldenburg reist man sogar standesgemäß im ICE an.

Nach kurzem Aufenthalt geht es in einem großen Bogen wieder Richtung Südwesten, dem einzigen Fernverkehrsbahnhof im Landkreis Diepholz entgegen. Der liegt natürlich in der gleichnamigen Stadt und hat ein etwas unausgewogenes Fernverkehrsangebot. Täglichen Fernverkehr gibt es nur in der Form des Nacht-IC 2020 Frankfurt(Main) Hbf (ab 23:24 Uhr) - Hamburg-Altona (an 07:06 Uhr), dessen Gegenzug aber nicht hält. Hinzu kommt ein Tagesrandlagen-IC-Paar, gegenläufig zum Besonderen Zug, ein paar Wochenendverstärker und natürlich der Besondere Zug selber. Der stellt sechsmal die Woche die - vermutlich nicht übermäßig oft nachgefragte Direktverbindung Diepholz - Schweiz her. Nur kurz hält sich der Besondere Zug hier auf, dann macht er sich daran, Wiehengebirge und Teutoburger Wald anzugehen.

Zwischendrin: Osnabrück. Das Kapitel Teutoburger Wald ist rasch wieder vorbei, ab Lengerich geht's wieder rascher voran, bis nach Münster(Westf). Ab hier stürzt sich der EC 7 in das Getümmel des Berufsverkehrs, wobei er auf der eingleisigen Stecke nach Lünen in der Regel den Vorrang gegenüber dem Nahverkehr genießt.

Wer am nächsten Halt Dortmund die Beine in die Hand nimmt, kann den ICE 103 nach Basel SBB erreichen, der dank der Führung über die Schnellfahrstrecke Köln-Rhein-Main eine Dreiviertelstunde früher in der nordwestschweizerischen Stadt eintrifft. Zeitgleich setzen beide Züge ihre Fahrt fort, kurz vor Bochum trennen sich vorerst ihre Wege.

Apropos Bochum: Alle zwei Stunden lassen die Fernverkehrszüge den Halt in der 360.000 Einwohnerstadt aus und fahren schnurstracks nach Essen, so auch der Besondere Zug. Der begibt sich am Rande des Ruhrgebiets auf die Spuren seiner berühmten Vorgänger, insbesondere des TEE Rheingold. Mit dem teilt er nicht nur die traditionelle Zugnummer, sondern zwischen Duisburg und Basel auch den Laufweg. Einzig den Aussichtswagen vermisst man zum Beinahe-TEE-Erlebnis, der läuft allerdings genau zwei Stunden später im EC 9.

Man könnte hier im landschaftlich nicht besonders aufregenden Rheinland aussichtsmäßig nicht so wahnsinnig viel erleben. Die Streckenführung ist geprägt durch Geradlinigkeit und eigene Gleise für den S-Bahn-Verkehr. Erst wenn sich der Zug zwischen Köln Messe/Deutz und Köln Hbf dem Rhein annähert, die imposante Hohenzollernbrücke überquert und schließlich langsam am Kölner Dom vorbeirollt, könnte man den "Apm Pano" (Bezeichnung des Panoramawagens) durchaus in diesem Zug brauchen.

In Köln besteht nochmal die Gelegenheit, zum ICE 103 zu wechseln, das volle Programm mit Weltkulturerbe gibt's aber nur im Besonderen Zug. Wobei das Weltkulturerbe Mittelrheintal noch etwas auf sich warten lässt. Südlich von Köln ist die Rheinebene noch recht weit un unspektakulär. Das hat aber auch seine Vorteile, denn 160 km/h sind hier durchaus nochmal drin, nur kurz unterbrochen vom Halt in der Bundesstadt Bonn.

Wenig später steigert sich das Landschaftsvergnügen beinahe mit jeder Kurve, nur unterbrochen von der eher nüchternen Region um Koblenz. Ab Boppard wünschte man sich dann lediglich die plüschigen Wagen des TEE Rheingold, um das nostalgische Fahrvergnügen zu komplettieren, die eher nüchternen Schweizer Wagen mit ihren Großräumen können da schlicht nicht mithalten. Einen Blick Richtung Loreley kann man gefahrlos riskieren, auch wenn hier in der Region die Felsbrocken nicht nur im Rhein, sondern bei Erdrutschen auch mal auf dem Gleis zu finden sind. Klassiker auch Bank- und Betttunnel - letzterer hat durch die Rechtschreibreform endlich sein drittes T wieder - es fehlt nur noch das parallel mitrasende Taxi aus Niklaus Schillings Film "Rheingold". Und ein bisschen die Lok der Baureihe 103 an der Zugspitze.

Aber alle Herrlichkeit und Nostalgie hat ein Ende - in diesem Fall in Bingen(Rhein). Hier weitet sich das Rheintal, der Lokführer beschleunigt den Zug wieder zur 160 km/h-Marke und der modern-beklemmende Betonbau am Mainzer Hauptbahnhof ist bald erreicht. Nach den beiden Mainzer Tunneln hat der Fahrdienstleiter für den Besonderen Zug im Bahnhof Mainz Römisches Theater in der Regel das äußerst rechte Gleis gewählt. Kurvensammler würden sich vermutlich freuen, wenn das nicht der Fall wäre, denn dann ergäbe sich die Gelegenheit, die Verbindungskurve Groß-Gerau - Groß-Gerau-Dornberg zu bereisen, denn diese Streckenführung ist zeitlich beinahe ebenbürtig.

Im Regelfall sinkt der EC 7 nun südlich des ehemaligen Mainzer Südbahnhofs langsam wieder auf Niveau des Rheins ab, dem er nun entlang endloser rheinhessischer Weinberge und durch die Nibelungenstadt Worms folgt. Dort ändert sich das Landschaftsbild komplett, denn nun befinden wir und im Umfeld der von Industrie geprägten Städte Ludwigshafen(Rhein) und Mannheim. In Mannheim Hbf wartet kein Zug auf bahnsteiggleichen Anschluss, so dass es gleich weitergehen kann. Höchstgeschwindigkeit ausfahren ist nun auf der Schnellfahrstrecke angesagt, beeindruckend immer wieder der Abzweig Saalbach, an dem mit 200 km/h Richtung Karlsruhe abgebogen wird.

Keine Besonderheiten jenseits von Karlsruhe, nehmen die Fernzüge doch mehrheitlich den Streckenast via Durmersheim, hinter Rastatt saust der Zug in flacher Landschaft über typische Neubaustreckengleise. Besonders sind hier eher die Außentemperaturen im Sommer, was einen im Schweizer Wagenmaterial nicht beeindrucken muss.

Beinahe als Sprinter kommt einem der EC 7 hier vor, lässt er doch beide ICE-Bahnhöfe Baden-Baden und Offenburg aus und fährt vor den sich ins Blickfeld schiebenden Schwarzwaldhöhen ohne Halt nach Freiburg(Breisgau). Hier könnte man auf den Spuren des IR Höllental nach Seebrugg (Fahrplan siehe unten) umsteigen, wer aber die 3,45 Kilometer an einem Tag durchziehen möchte, der sollte tunlichst sitzenbleiben. Ausgerechnet den schönsten Abschnitt des letzten deutschen Streckenteils hat man mit einem Tunnel untergraben, sodass die gemütliche Zuckelei rund um Istein, die man noch aus TEE-Zeiten kennt, heute dem Nahverkehr vorbehalten ist. So ist man ein paar Minuten schnell in Basel SBB, wo die Lok der Baureihe 101 nach neun Stunden Dauerarbeit vom Zug gehen kann.

Auch die Schweizer haben kräftig umgegraben, vor längerer (Hauensteintunnel) bzw. weniger langer Zeit (Adlertunnel). In den Genuss beider Modernisierungen kommt der geneigte Fahrgast des Besonderen Zuges, bevor der Eisenbahnknoten Olten erreicht wird. Kurz nach Olten haben sich die Schweizer eine veritable Neubaustrecke geleistet, sodass auch hier 200 km/h möglich sind. Und das teilweise auch auf der in Wanzwil abzweigenden Strecke Richtung Solothurn.

Der EC 7 aber folgt der Hauptstrecke bis Mattstetten, um kurz darauf den eher ungewöhnlichen Berner Bahnhof zu erreichen. Noch ein letzter Lokwechsel und der Besondere Zug macht sich auf in Richtung Berner Oberland. Zunächst bis Thun nicht besonders aufregend, geht es die letzten Kilometer beinahe durchgehen in Sichtweite des Thunersees entlang und nach einem halben Tag erreicht der Besondere Zug die beiden Intelakener Bahnhöfe.

Und was hat es nun mit den 3,45 Kilometern auf sich? Das wird sich der aufmerksame Leser fragen. Da der Besondere Zug sich nicht im Schneckentempo unterwegs ist, handelt es sich nicht um die Streckenkilometer, sondern um die vertikalen Kilometer. Davon hat der Besondere Zug jetzt gerade mal 0,57 zurückgelegt. Da er aber zeitig genug in Hamburg startet, kann man mit Umsteigen in die BOB, WBA und Jungfraubahn bequem an einem Tag von 0 Metern Seehöhe bis zum Jungfraujoch auf 3454 Metern reisen. [...]"

Alle Rechte liegen bei der Redaktion der DREHSCHEIBE. Auszug aus dem Heft Nr. 276, Seite 5 ff., zum Teil für ein besseres Verständnis leicht abgeändert

EC 7

Hamburg-Altona

  04:28
Hamburg Dammtor   04:36
Hamburg Hbf   04:42
Hamburg-Harburg   04:53
Bremen Hbf 05:37 05:40
Diepholz 06:08 06:10
Osnabrück Hbf 06:35 06:37
Münster (Westf) Hbf 07:00 07:03
Dortmund Hbf 07:33 07:37
Essen Hbf 07:58 08:00
Duisburg Hbf 08:11 08:13
Düsseldorf Hbf 08:25 08:27
Köln Hbf 08:50 08:53
Bonn Hbf 09:12 09:14
Koblenz Hbf 09:46 09:48
Mainz Hbf 10:38 10:40
Mannheim Hbf 11:21 11:23
Karlsruhe Hbf 11:47 11:49
Freiburg (Breisgau) Hbf 12:49

12:51

Basel Bad Bf 13:22 13:24
Basel SBB 13:30 13:59
Liestal 14:08 14:09
Olten 14:25 14:29
Bern 14:56 15:04
Thun 15:22 15:23
Spiez 15:32 15:33
Interlaken West 15:51 15:53
Interlaken Ost 15:57  

Zug fährt nur Montag bis Samstag ab Hamburg-Altona. Sonntags fährt dieser erst ab Dortmund Hbf.

Information zum Interregio Höllental

Der Interregio Höllental war ein jahrelang verkehrendes Zugpaar, das die ostfriesische Nordseeküste mit den Urlaubsgebieten im Hochschwarzwald, wie z.B. am Titisee oder dem Schluchsee verband. Dabei verkehrte er zwischen Freiburg(Breisgau) Hbf und Seebrugg im Takt der Regionalzüge und konnte auf diesem Abschnitt auch zuschlagfrei genutzt werden, wie heute z.B. die IC zwischen Bremen Hbf und Norddeich Mole.

Zuletzt verkehrte das Interregio-Zugpaar im Jahre 2001 als IR 2216/2217. Noch heute erinnert eine Plakette am Endbahnhof Seebrugg an dieses Zugpaar.

 

IR 2216 Seebrugg - Norddeich Mole

IR 2217 Norddeich - Seebrugg

 

Fahrplan:

Seebrugg   08:38 17:15  
Schluchsee 08:40 08:41 17:11 17:12
Aha 08:46 08:46 17:06 17:07
Altglashütten-Falkau 08:51 08:52 17:01 17:01
Feldberg-Bärental 08:55 08:58 16:57 16:58
Titisee 09:06 09:08 16:48 16:49
Hinterzarten 09:12 09:15 16:43 16:44
Himmelreich 09:29 09:30 16:27 16:31
Kirchzarten 09:33 09:34 16:23 16:24
Freiburg-Littenweiler 09:38 09:39 16:18 16:19
Freiburg-Wiehre 09:42 09:43 16:14 16:15
Freiburg (Breisgau) Hbf 09:49 10:04 15:50 16:10
Emmendingen 10:12 10:13 15:38 15:39
Lahr (Schwarzw) 10:26 10:27 15:23

15:24

Offenburg 10:38 10:40 15:11 15:13
Achern 10:50 10:51 14:58 14:49
Baden-Baden 11:00 11:01 14:47 14:48
Karlsruhe Hbf 11:19 11:26 14:30 14:32
Bruchsal 11:36 11:37 14:18 14:19
Heidelberg Hbf 11:54 11:56 14:01 14:03
Weinheim (Bergstr) 12:08 12:09 13:47

13:48

Bensheim 12:17 12:18 13:38 13:39
Darmstadt Hbf 12:29 12:31 13:25 13:27
Mainz Hbf 12:51 12:53 13:04 13:06
Bingen (Rhein) Hbf 13:08 13:10 12:47 12:48
Boppard 13:33 13:35 12:20 12:22
Koblenz Hbf 13:46 13:48 12:07 12:08
Andernach 13:58 14:00 11:54 11:56
Remagen 14:12 14:14 11:41 11:43
Bonn Hbf 14:27 14:29 11:27 11:29
Köln Hbf 14:49 14:52 11:06 11:09
Düsseldorf Hbf 15:12 15:14 10:42 10:44
Duisburg Hbf 15:26 15:28 10:29 10:31
Oberhausen Hbf 15:33 15:35 10:22 10:24
Gelsenkirchen Hbf 15:44 15:46 10:10 10:12
Wanne-Eickel Hbf 15:50 15:52 10:04 10:06
Recklinghausen Hbf 15:58 16:00 09:56 09:57
Münster (Westf) Hbf 16:27 16:29 09:28 09:30
Rheine 16:53 16:55 09:04 09:06
Lingen (Ems) 17:13 17:15 08:43 08:45
Meppen 17:27 17:29 08:29 08:31
Papenburg (Ems) 17:53 17:55 08:03 08:05
Leer (Ostfriesl) 18:05 18:07 07:51 07:53
Emden Hbf 18:23 18:25 07:33 07:35
Norden 18:50 18:52 07:06 07:07
Norddeich 18:58 19:00   07:00
Norddeich Mole 19:04      

 

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