Drei Flüsse - drei Länder

Über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel war "Zwangsurlaub" angesagt im ersten Lehrjahr. Zwei Kollegen und ich überlegten, was man machen könnte, auch im Hinblick darauf, dass wir noch Freifahrten zur Verfügung hatten und auch noch was von Deutschland sehen wollten. Die Wahl fiel auf einen Tagesausflug nach Passau, der dann am 29.12.2016 stattfand, wenn auch nur mit einem Kollegen.

 

Die Verbindungen waren schnell rausgesucht und festgelegt. Bei mindestens 6,5 Stunden Fahrt mag man uns für verrückt halten, was ein paar Leute auch getan haben, doch wir haben es durchgezogen. Die Reiseverbindung für die Hinfahrt war Folgende:

Bremen Hbf ab 06:09 Uhr IC 2033
Hannover Hbf an 07:13 Uhr  
       
Hannover Hbf ab 07:26 Uhr ICE 783
Würzburg Hbf an 09:27 Uhr  
       
Würzburg Hbf ab 09:33 Uhr ICE 23
Passau Hbf an 12:34 Uhr  

ICE 23 - Reiseplan

Dortmund Hbf   04:37
Bochum Hbf 04:47 04:49
Essen Hbf 04:58 05:00
Duisburg Hbf 05:10 05:12
Düsseldorf Hbf 05:24 05:27
Köln Hbf 05:49 05:53
Bonn Hbf 06:12 06:14
Koblenz Hbf 06:46 06:48
Mainz Hbf 07:38 07:40
Frankfurt (Main) Flughafen Fernbahnhof 07:59 08:02
Frankfurt (Main) Hbf 08:13 08:19
Hanau Hbf 08:34 08:36
Würzburg Hbf 09:31 09:33
Nürnberg Hbf 10:27 10:30
Regensburg Hbf 11:25 11:27
Plattling 11:58 12:00
Passau Hbf 12:34 12:40
Wels Hbf 13:27 13:29
Linz Hbf 13:43 13:47
St. Pölten Hbf 14:37 14:39
Wien Meidling 15:02 15:04
Wien Hbf 15:09  

 

Trotz dessen, dass im Voraus für den ICE 23 zwischen Regensburg Hbf und Plattling ein sehr hohes Reisendenaufkommen angekündigt war, war es erstaunlich leer im Wagen unserer Wahl...

Im Übrigen kann die Deutsche Bahn nicht nur verspätet oder pünktlich, sondern auch überpünktlich sein. Der ICE 23 war trotz pünktlicher Abfahrt in Plattling mehr als fünf Minuten zu früh in Passau angekommen!

In Passau, der Dreiflüssestadt, um der Überschrift gerecht zu werden, befindet sich direkt am Donauufer (die anderen Flüsse sind der Inn und die Ilz) ein großer Parkplatz, der besonders bei Touristen beliebt ist. Dort findet man wirklich alles: von Hamburg bis Füssen, von Düsseldorf bis Dresden. Sogar Niederländer, Luxemburger und tatsächlich auch Schweizer sind hier zu finden.

 

Nach einer Stärkung geht es nun weiter in den Passauer Dom, dem Dom St. Stephan.

Um auch dem zweiten Teil der Überschrift gerecht zu werden, machen wir uns nun auf nach Österreich, das gleich um die Ecke liegt. Einmal über den Innsteg in den Stadtteil "Innstadt" (nicht Innenstadt!)  und an der stillgelegten Eisenbahnstrecke Passau - Hauzenberg entlang, schon erreicht man die Grenze, wenn auch recht unspektakulär und leicht übersehbar.

Nach dem Besuch in Österreich, dem zweiten Land nach Deutschland, benötigt es nun auch ein drittes Land. Böse Zungen könnten behaupten, dass es sich dabei um Bayern handelt, doch das ist nicht der Fall. Die weitere Fahrt ist im Folgenden dargestellt:

Passau Hbf ab 16:25 Uhr RE 4079
Plattling an 17:02 Uhr  
       
Plattling ab 17:06 Uhr WBA 83937
Bayerisch Eisenstein an 18:13 Uhr  
       
Bayerisch Eisenstein ab 18:41 Uhr WBA 83946
Plattling an 19:54 Uhr  
       
Plattling ab 20:00 Uhr ICE 229
Passau Hbf an 20:34 Uhr  

Wie den Verbindungen zu entnehmen ist, folgte eine Fahrt mit der waldbahn auf der Bayerischen Waldbahn, einer kleinen Strecke, die uns unmittelbar an die tschechische Grenze nach Bayerisch Eisenstein oder auch Železná Ruda. Das Besondere an diesem Bahnhof ist, dass die Staatsgrenze genau durch das Bahnhofsgebäude und dem Bahnhofsgelände verläuft. Der Bahnhof ist somit zweigeteilt. Die Beschilderung auf der tschechischen Seite ist auf Tschechisch, eigene Anzeige der nächsten Züge, eigene Gleisbezeichnungen, tschechische Signalisierung, ...

Und schon geht es wieder zurück nach Passau. Schließlich wollte man dort am selben Abend den Zug zurück nehmen. Unterwegs noch ein Umstieg in Plattling, wo man einen alten Bekannten wiedersieht: den ICE mit dem Namen "Villingen-Schwenningen" kam nun als ICE 20 von Wien Hbf wieder zurück, um nach Frankfurt (Main) Hbf zu fahren.

Nun geht es von Passau Hbf aus schon wieder nach Hause. Dabei gab es für uns aber auch noch eine Prämiere: die erste Fahrt in einem von der ÖBB betriebenen Nachtzug, vermarktet als nightjet und verkehrend als EuroNight.

Der entsprechende Zug war der EN 490 von Wien Hbf Autoreisezuganlage nach Hamburg-Altona mit Zugteil nach Düsseldorf Hbf. Diesen Zug nutzen wir im Abschnitt Passau Hbf (ab 23:22 Uhr) - Hannover Hbf (an 06:49 Uhr).

Der Hinweistext zu EN 490 war Folgender: "Bitte erst einsteigen, wenn polizeiliche Ermittlungen abgeschlossen!" Dieser stand bei jedem Zug dran, der aus Österreich her kommend noch weiterfuhr. Gemeint sind damit die Durchsuchung des Zuges nach verdächtigen Personen oder illegalen Einwanderern/Flüchtlingen, die versuchen so über die Grenze zu kommen.

Durch diese Untersuchung fuhr der Zug dann auch leider mit +20 Minuten Verspätung in Passau Hbf ab. Durch die Verspätung des Zuges aus Innsbruck Hbf nach Düsseldorf Hbf, mit dem wir Zugteile tauschen sollten, waren es mit Abfahrt in Nürnberg Hbf dann schon +30 Minuten Verspätung. Es geht aber noch mehr. Während der Fahrt von Fulda nach Göttingen über die Altbaustrecke kamen wir im Bahnhof Bebra zum Stehen. Wir standen sehr lange, während der Regional- und Güterverkehr munter lustig weiterfuhr. Die ersten Fahrgäste aus unserem Zug waren irgendwann genervt und sind an diesem außerplanmäßigen Halt ausgestiegen, um mit dem Regionalverkehr des cantus noch einen ICE in Göttingen oder Kassel-Wilhelmshöhe zu erwischen.

Nach etwa 60 Minuten ging es dann für uns mit einem Umweg über Kassel-Wilhelmshöhe weiter in Richtung Göttingen. Mit Ankunft in Hannover Hbf um 08:45 Uhr kamen wir auf genau +116 Minuten Verspätung. Damit waren schon so einige Anschlusszüge weg, so auch der IC nach Leer (Ostfriesl) um 08:45 Uhr....

Schlussendlich war die Ankunft in Bremen Hbf um 10:44 Uhr mit dem ICE 634 aus München Hbf. Der Grund des langen Wartens in Bebra war übrigens ein Notarzteinsatz am Gleis auf der freien Strecke, also etwas, wogegen die Bahn machtlos ist.

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