Begriffe, die jeder mal falsch verwendet hat

Es gibt Begriffe der Eisenbahn, die jeder sicherlich mal gehört oder verwendet hat. Nicht jeder Begriff wird dabei korrekt verwendet. Auf diese Begriffe möchte ich hier eingehen.

Bahnhof

Bushaltestellen mit dem Zusatz "Bahnhof" oder Straßenschilder, die zum Bahnhof weisen. Überall kann man das Wort "Bahnhof" finden, wo es gar nicht hingehört. Ein gutes Beispiel dafür ist Tiengen(Hochrhein). Wir schauen uns aber vorher die Definition von "Bahnhof" an. In der Fahrdienstvorschrift der Deutschen Bahn, der Richtlinie 408, findet man folgende Worte:

 

Bahnhöfe sind Bahnanlagen mit mindestens einer Weiche, wo Züge beginnen, enden, halten, kreuzen, überholen oder wenden dürfen. Bahnhöfe können in Bahnhofsteile unterteilt sein. Bahnhofsteile können durch Zwischensignale bzw. Signale Ne 14 gegeneinander abgegrenzt sein.

 

Wie unschwer zu erkennen ist, braucht es zu einem Bahnhof mindestens eine Weiche. In Tiengen(Hochrhein) findet man neben dem Bahnsteig an der eingleisigen Strecke nur ein weiteres Gleis ohne Anschluss an die Strecke und somit keine Weiche. Das, was wir in Tiengen finden, ist ein Haltepunkt:

 

Haltepunkte sind Bahnanlagen ohne Weichen, wo Züge planmäßig halten, beginnen oder enden dürfen.

 

Somit wissen wir nun, dass vieles, wo zwar Bahnhof steht, gar kein Bahnhof ist. Zu beachten ist aber, dass nicht alles, was mindestens eine Weiche hat auch ein Bahnhof ist, doch das ist jetzt erstmal egal :)

Züge

Wie es sich mit dem Bahnhof verhält, so verhält es sich auch mit den Zügen. Nicht alles was fährt, ist auch ein Zug:

 

Züge sind auf die freie Strecke übergehende oder innerhalb eines Bahnhofs nach einem Fahrplan verkehrende einzeln fahrende Triebfahrzeuge oder Einheiten, die zusammengesetzt sein können aus arbeitenden Triebfahrzeugen oder arbeitenden Triebfahrzeugen und dem Wagenzug, in den Wagen oder nicht arbeitende Triebfahrzeuge eingestellt sind. [...]

 

Züge werden in Reise- und Güterzüge eingeteilt.

 

Was braucht es also, um fahrende Fahrzeuge zu einem Zug zu machen? Sie müssen auf die freie Strecke, also zwischen Bahnhöfen fahren bzw. in wenigen Fällen auch innerhalb eines Bahnhofes, und sie müssen einen Fahrplan haben. Nun fährt aber nicht alles nach einem Fahrplan oder auf die freie Strecke, sondern vielleicht auch nur in die Abstellung in einem Bahnhof und dafür braucht es keinen Fahrplan. Diese Fahrten sind ganz einfache Rangierfahrten. Das Rangieren wird wie folgt definiert:

 

Rangieren ist das Bewegen von Fahrzeugen im Bahnbetrieb, ausgenommen das Fahren der Züge. [...]

Zugführer

Der wohl beliebteste "Fehler" ist das Bezeichnen des Lokführers, oder auch des Triebfahrzeugführers, als Zugführer. Ich selber habe diese Bezeichnung in den letzten Wochen häufig in meinem Umkreis zu hören gekriegt und erkläre es gerne so:

 

Ein Lokführer kann ein Zugführer sein, muss aber nicht. Ein Zugführer kann ein Lokführer sein, muss aber nicht.

 

Ganz allgemein kann man sagen, dass der Lokführer zwar den Zug fährt und somit von A nach B bringt aber der Zugführer ist der Chef des gesamten Zuges. Er steht sogar noch über dem Lokführer, wenn es einen extra Mitarbeiter für den Zugführer, auch Zugchef genannt, im Zug gibt. Dies ist besonders im Fernverkehr der Fall. Der Zugchef ist dabei an der roten Manschette am Arm zu erkennen. Er ist für sein Zugbegleitpersonal verantwortlich, dass meist die Fahrkarten kontrolliert.

An den Bahnhöfen steigt dann das gesamte Zugpersonal, bis auf den Lokführer, aus und beobachtet das Ein- und Aussteigen der Fahrgäste und ist gegebenenfalls behilflich. Ist nun die Abfahrtszeit erreicht oder auch kurz davor, vergewissern sich alle Zugbegleiter, dass bei ihnen an den Türen alles in Ordnung ist, z.B. keiner festklemmt oder dergleichen und teilen dies dem Zugchef mithilfe ihrer Kellen oder per Handzeichen mit. Der Zugchef schließt dann an seiner Tür zentral die Türen. Seine Tür bleibt dabei noch geöffnet. Diese hat er zuvor mithilfe eines Schlüssels "gesperrt". Nun kontrolliert er noch einmal von seinem Standort alles und gibt dann dem Lokführer den Abfahrauftrag. Dies geschieht entweder mit dem Signal Zp 9, am Hauptsignal oder irgendwo am Bahnsteig, oder mithilfe einer grünen Kelle bzw. Handlampe. Dieses Signal darf aber nur gegeben werden, wenn der Fahrdienstleiter der Abfahrt mithilfe eines Fahrtbegriffes oder bestimmter Zusatzsignale am Hauptsignal zugestimmt hat. Nun schließt der Zugchef auch seine Tür und der Zug darf abfahren. Hier sieht man schon, dass ohne diesen Abfahrauftrag der Lokführer nicht losfahren darf.

Im Regionalverkehr ist das wieder etwas anders. Hier finden sich meist keine Zugführer mehr, sondern nur noch sogenannte KiN, Kundenbetreuer im Nahverkehr. Diese sind, wie der Name schon sagt, nur noch für die Betreuung der Fahrgäste, sprich Fahrkarten kontrollieren und so weiter, zuständig. In dem Fall ist der Lokführer gleichzeitig der Zugchef. Er vergewissert sich bei der Abfahrt, dass alles in Ordnung ist und zum Beispiel keiner zwischen Zug und Bahnsteigkante gerutscht ist und gibt sich selber den Abfahrauftrag. Der KiN kann hierbei noch eine Helferrolle einnehmen bei der Feststellung der Abfahrbereitschaft. Dabei prüft er ebenfalls, ob alle Fahrgäste ein- und ausgestiegen sind und keiner irgendwo festklemmt und gibt dem Lokführer mit einer Kelle oder Handzeichen eine entsprechende Bestätigung. Darüber wird der Lokführer vor allem in Bögen (Kurven) dankbar sein ;-)

Somit haben wir nun drei Begriffe aufgegriffen und erklärt, sodass sie nun vielleicht etwas weniger häufig falsch verwendet werden :)

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Kommentare: 1
  • #1

    Hanna (Donnerstag, 25 Mai 2017 15:38)

    Hey! Ich finde deinen Block super, weiter so!