Von Nord nach Süd - eine Reise

Eine Reise mit dem Zug von der Hansestadt Bremen in das beschauliche Städtchen Waldshut kann sehr interessant werden. Allein, was man alles sehen kann während der Fahrt ist schon faszinierend. Dies soll eine Beschreibung der Fahrt sein und die Fantasie anregen...

Es ist 12:46 Uhr. Ich stehe am Gleis 6 am Bremer Hauptbahnhof. Der ICE 1132 aus München ist soeben eingefahren und nun strömen die aussteigenden Fahrgäste an mir vorbei zu den Abgängen. Die letzten Fahrgäste sind raus, da werden die Türen geschlossen und die bekannte Zugnummer 77777 angeschrieben: "Zug wird gereinigt". Allmählich kommen immer mehr Menschen, die mit mir auf die Türfreigabe warten. Etwa 10 Minuten vor Abfahrt schaltet plötzlich die Anzeige um: "ICE 1139 München Hbf". Die Menschen, die schon zuvor Grüppchen an den Türen ihres Wagens gebildet haben drängeln vor und jeder versucht als erstes rein zu kommen. Ich steige ein, finde einen freien Platz bis Göttingen und mache es mir gemütlich.

Pünktlich um 13:15 Uhr ruckt es ein bisschen und der Zug setzt sich in Bewegung. Ein kurzes Zucken im Gleisvorfeld und wir befinden uns auf dem richtigen Streckengleis. Noch bevor die letzten Ausläufer des Bahnhofes verschwinden beschleunigt der Zug und wir rauschen mitten durch die Stadt, links und rechts niedrige Lärmschutzwände, dahinter die typisch bremischen Häuser. Der Zugchef spricht seine Begrüßung. Eine kurze Dunkelphase, die Strecke nach Osnabrück querte die Strecke nach Hannover. Rechts von uns taucht eine größere Straße auf, einige Autos kommen uns entgegen und eine Straßenbahn fährt parallel zu uns, um kurz vor dem Bahnhof Bremen-Sebaldsbrück die Strecke zu unterqueren. Den Bahnhof durchfahren wir bereits mit etwa 120 km/h. Dahinter taucht auf der linken Seite das große Werk von Mercedes-Benz auf, direkt daneben das Ausbesserungswerk Bremen-Sebaldsbrück. Wer schnell genug ist oder über die Mauer sehen kann, sieht viele Dieselloks, teils aus alten Zeiten, und daneben ein Tunnelrettungszug.

Weiter quer durch Wiesen durchqueren wir den letzten Bahnhof auf Bremer Stadtgebiet: Bremen-Mahndorf. Kurz danach sind wir in Niedersachsen. Hier ist die Landschaft deutlich ländlicher. Ab und zu sieht man einen kleinen Ort, ein Wäldchen oder auch einen kleinen See. Das alles lassen wir hinter uns. In Verden(Aller) bremst der Zug kurz ab, nur um gleich hinter dem Bahnsteig wieder auf 160 km/h zu bescchleunigen und in diesem Tempo die neue Allerbrücke zu überqueren. Etwa 8 Minuten später durchfährt der Zug Eystrup. Hier werden noch ein paar Wagen rangiert und auf die Strecke in Richtung Hoya gefahren, eine Strecke, auf der längst nur noch Güterverkehr fährt und selbst davon nur noch sehr wenig. An Wochenenden kann man dann doch mal einen Museumszug irgendwo auf der Strecke finden.

 

Kurz vor Nienburg(Weser) werden wir wieder langsamer. Auf der rechten Seite öffnet sich der Blick auf größere Gleisanlagen, wie man sie hier nicht vermuten würde. Nach einer langgezogenen Kurve durch den Bahnhof, geht es wieder schneller voran, nun zu einem Großteil durch Wälder, hinter denen sich bei Poggenhagen ein größerer Flugplatz versteckt, auf den man auf der rechten Seite noch einen kurzen Blick erhaschen kann, bevor der Zug schon wieder langsamer wird, um in Wunstorf auf die Strecke aus Minden(Westf) einzuschwenken. Nun beschleunigen wir auf bis zu 200 km/h und überholen dabei einen Güterzug auf einem Parallelgleis. Dieser ist auf dem Weg zum Rbf in Seelze, den wir nun auf knapp 5 Kilometern Länge rechts von uns sehen. Vom Ablaufberg bis zu den Ausfahrgleisen, von der Wagenwerkstatt bis zu den Formsignalen ist hier alles zu sehen aber auch dieser Ausblick endet irgendwann mal. Der Zug wird langsamer und es gesellen sich mehr Gleise zu uns. Von links kommt die Strecke nach Hamburg dazu, ebenso die S-Bahngleise. Dies alles überqueren wir und haben es nun auf der rechten Seite. Ganz gemütlich schlängeln wir uns durch das Gleisvorfeld des Hannoveraner Hauptbahnhofes, um pünktlich um 14:14 Uhr am Gleis 4 zu halten. Viele Menschen steigen hier ein und aus, ist Hannover doch ein wichtiges Drehkreuz in der Region. Von hier aus geht es nach Hamburg und Berlin, in den Harz und in das Leinetal, bis in die Schweiz und in die Niederlande, an den Rhein und an die Weser.

 

Um 14:20 Uhr ruckt der ganz Zug ein Stück vor. Der Zugteil aus Hamburg-Altona hat hinten an unseren Zugteil angekuppelt. "Zu zweit" geht es nun um 14:26 Uhr weiter in Richtung München. So elegant wie er in den Bahnhof einfuhr, fährt er nun wieder aus. In Richtung Göttingen haben wir einige Gleise mehr, die parallel nebenher führen. Nach einer Kreuzung der Güterumgehungsbahn erreichen wir Hannover Messe/Laatzen, doch heute ist keine große Messe, sodass wir hier nicht halten und hinaus in die freie Landschaft auf die Schnellfahrstrecke rauschen. Mit bis zu 230 km/h (andere ICEs bis zu 280 km/h) fahren wir über Brücken und Viadukte und durch Tunnel. Mal überqueren wir die Leine, mal sehen wir in der Nähe die Altbaustrecke und darauf einen Güterzug oder einen Zug des Metronom. Eine halbe Stunde später wird der Zug schon wieder langsamer und die Altbaustrecke schmiegt sich an uns. Wir werden langsamer und erreichen Göttingen. Schnell nehme ich meine Sachen und steige aus. Draußen laufe ich zum anderen Ende des Bahnsteiges. Der nächste Zug hat die zweite Klasse im hinteren Teil des Zuges.

Eine Viertelstunde später fährt auch schon der ICE 579 nach Stuttgart Hbf ein. Auch hier finde ich einen Sitzplatz und mache es mir bequem. Die Fahrt dauert nun etwa 2 Stunden. Der Zug beschleunigt schnell wieder auf 250 km/h und kommt nun in den interessanteren Teil der Strecke. Hier, zwischen Göttingen und Fulda, sind besonders morgens die tiefen Täler noch vollständig mit Wolken verhangen, sodass nichts zu sehen ist und es sich anfühlt, als wenn man über den Wolken fahren würde. Wenn dann die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken brechen ist das Glück schon perfekt. Aber auch die Sonnenuntergänge haben hier ihren ganz eigenen Charme...

 

Ein Zwischenstopp in Kassel-Wilhelmshöhe. Der Bahnhof ist nicht gerade schön aber dafür ein wichtiger Bahnhof der Region, verbindet er doch Thüringen mit dem Rheinland durch die Mitte Deutschlands. Die meisten Regionalzüge halten zwar am Kasseler Hauptbahnhof, doch müssen sie zusätzlich auch in Kassel-Wilhelmshöhe halten, da nur hier ein Umstieg von und zu den Fernverkehrszügen möglich ist. So braucht der Fernverkehr keinen Richtungswechsel im Hauptbahnhof machen.

Weiter geht es über die sehr schöne Schnellfahrstrecke in Richtung Fulda. Viele lange Tunnel werden durchquert, sodass man mit dem Schlucken gegen den Druck auf den Ohren kaum hinterher kommt. In Fulda bremsen wir zwar ab, halten aber nicht und rauschen einfach durch. Nun geht es etwas gemächlicher zu. Die Schnellfahrstrecke haben wir verlassen und schlängeln uns nun durch das kurvenreiche Kinzigtal, durch das teilweise bis zu 9 Personenzüge pro Stunde und Richtung fahren, dazu kommt der Güterverkehr. Die Strecke selber ist geprägt von viel Wald und einigen Überquerungen der Kinzig. An einer Stelle bricht der Wald auf uns gibt den Blick auf einen großen See frei, dem die Strecke weiter folgt. Erst am Ende des Sees, wenn wieder Wiesen beginnen, wird einem klar, dass es sich hier um einen Stausee handelte. Am besten ist die lange Staumauer aus Richtung Frankfurt kommend zu sehen, wobei sie sehr von Gras bedeckt ist.

Bei Gelnhausen wird die Strecke dreigleisig und wir beschleunigen wieder auf 200 km/h, die wir aber nach rund 16km wieder verlieren, wenn wir in einer langen Kurven in den Bahnhof Hanau einfahren. Dieser Bahnhof ist zwar auch ein ICE-Halt, doch halten wir auch hier nicht. Stattdessen geht es direkt weiter in Richtung Frankfurt. Die Landschaft wird wieder urbaner. Wir durchqueren Mühlheim(Main) und Offenbach(Main) und erreichen die Ausläufer von Frankfurt. Immer dabei: die S-Bahnstrecke von Hanau nach Frankfurt. Als ersten großen Bahnhof in Frankfurt durchqueren wir Frankfurt Süd. Hier enden zwei S-Bahn-Linien von den Vieren, die hier verkehren. Selbst der ICE von und nach Leipzig Hbf und Frankfurt Flughafen hält hier alle zwei Stunden.

Hinter dem Südbahnhof fahren wir durch eine lange Linkskurve. Die S-Bahn verabschiedet sich nach rechts und von rechts kommt eine weitere Strecke aus Richtung Darmstadt dazu. Das ganze Gebilde: ein Gleisdreieck. Hinter diesem queren wir den Main über die Main-Neckar-Brücke, um dann in einer sehr langen Rechtskurve langsam das Gleisvorfeld des Frankfurter Hauptbahnhofes zu überqueren. Dabei sehen wir viele abgestellt Züge und viele Gleise und natürlich die eindrucksvolle Gleishalle des Bahnhofes, die alle 24 Hallengleise überspannt. Pünktlich um 17:00 Uhr halten wir am Bahnsteig Gleis 6 und ich steige wieder aus.

 

17 Minuten später geht es für mich weiter. Dafür muss ich einmal fast den gesamten Bahnhof von Süd nach Nord durchqueren, um nach Gleis 19 zu kommen. Mit dem ICE 814 nach Köln Hbf fahre ich nun eine Station. Nach der Abfahrt fahren wir parallel zur aus dem Tiefbahnhof kommenden S-Bahn bis Frankfurt-Stadion, um kurz danach nach einer langen Linkskurve auf die Flughafenkurve abzubiegen. Nach gerade einmal 10 Minuten fahren wir auf den futuristisch wirkenden Fernbahnhof des Flughafens zu. Das Gebilde aus Glas beherbergt tatsächlich auch ein Hotel.

Wieder steige ich aus, um den Zug zu wechseln. Um 17:51 Uhr geht es mit dem ICE 201 weiter in Richtung Basel SBB. Auf der Flughafenschleife geht es wieder zurück, diesmal aber nach Zeppelinheim und weiter Richtung Mannheim. Viele Kilometer Abwechslung zwischen Orten und Wäldern folgt, während wir mit bis zu 200 km/h auf Mannheim zu fahren. Vor Biblis bremsen wir nochmal gut ab. Eine enge Linkskurve kann einen ganz schön ausbremsen... Weiter geht es an Lampertheim vorbei, durch Mannheim-Waldhof durch und auf direktem Wege in den Mannheimer Hauptbahnhof rein, vor dem wir noch die Häfen am Neckar bestaunen können.

Nach einem längeren Aufenthalt von 13 Minuten, um die Anschlüsse nach München und von Berlin herzustellen, geht es wieder weiter am Rangierbahnhof von Mannheim vorbei auf die Schnellfahrstrecke Mannheim - Stuttgart.  Diese bringt uns mit bis zu 250 km/h etwa 30km vor die Tore Mannheims quer durch die nun hügeliger werdende Landschaft. Am Abzw. Saalbach bei Waghäusel bremst der Zug nur kurz auf 200 km/h ab und zeigt uns dann, mit welche hohen Geschwindigkeit Weichen im gebogenen Zweig befahren werden können. Viel mehr als ein kleines Rucken merkt man als Fahrgast davon aber nicht. Über die Rheinbahn geht es nun weiter in Richtung Karlsruhe. Zwischen Bei Friedrichstal(Baden) stößt die Stadtbahnlinie S2 zu uns und verläuft bis Karlsruhe-Hagsfeld parallel zu unserer Strecke. In Karlsruhe Hbf legt der Zug den nächsten Halt ein. Dort können wir die Zweisystem-Stadtbahnen der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) bestaunen, die von der Karlsruher Innenstadt aus als Straßenbahn bis zu den Systemwechselstellen verkehren und ab dort auf den Gleisen der Deutschen Bahn das Umland bis nach Eutingen im Gäu vor den Toren Stuttgarts erschließen.

 

Hinter Karlsruhe befahren wir die westliche Strecke über Durmersheim, an der wir noch einige Formsignale finden können, so z.B. in Forchheim oder an der Blockstelle Basheide, die nun stillgelegt wurde und in den nächsten Monaten zur Abzweigstelle auf die neue Schnellfahrstrecke nach Basel umgebaut werden soll. Im weiteren Verlauf erreichen wir nach einer weiten Rechtskurve den Bahnhof Rastatt. Auch hier fahren wir ohne Halt durch und fahren entlang der Großbaustelle für den Rastatter Tunnel, der Teil des viergleisigen Ausbau der Rheintalbahn zwischen Basel und Karlsruhe ist. Hinter dieser Baustelle und nach dem Abzweig Rastatt Süd kann der Zug wieder auf bis zu 250 km/h beschleunigen. Zwischen der Altbaustrecke und der Schnellfahrstrecke liegen meist nur wenige Meter, doch sehen kann man nicht viel. Beide Strecken sind auf großen Teilen durch Lärmschutzwände voneinander getrennt. So fahren wir an diesen entlang, durchqueren Baden-Baden ohne Halt, immer im Blick: die Erhebungen des Schwarzwaldes. Kurz vor Offenburg kommen wir in Appenweier am Abzweig nach Kehl bzw. Straßburg vorbei. Hier verlassen dann die TGVs nach Paris Est die Strecke und fahren in einem großen Bogen in Richtung Westen auf den Rhein zu. Wir dagegen fahren geradeaus weiter in den Bahnhof Offenburg hinein und gestatten nochmal einen Fahrgastwechsel, meist für die Umsteiger in Richtung Donaueschingen und an den Bodensee nach Konstanz.

Nach der Abfahrt geht es in einer engen Rechtskurve in Richtung Freiburg weiter. Die Berge rücken nun etwas näher an die Strecke heran und es scheint, als ob die gesamte Gegend ein großes Dorf wäre. Viele Häuser findet man entlang der Strecke aber auch viel Raum dazwischen. Als wenn jemand die Häuser zufällig in der Region verteilt hätte...

Bei der Durchfahrt in Lahr(Schwarzw) mag man vielleicht einmal darüber nachdenken, was für ein Verkehr hier früher herrschte. Früher gab es hier weitere Anschlussstrecken, eine Schmalspurbahn und sogar Eilzüge, teils auch D-Züge, hielten hier im Bahnhof. Diese hatten sogar teilweise wichtige Kurswagen z.B. nach Mailand. Heute existiert noch eine große Autoverladung und als einziges Fernverkehrszugpaar hält noch der Baden-Kurier von und nach München hier.

Etwa 15 Minuten später kommen die ersten Ausläufer der Region Freiburg in Sicht. Mit der Durchfahrt in Denzlingen, bei Sperrungen zwischen dem Freiburg Hauptbahnhof und den Abzweigen der Güterumgehungsbahn Ersatzhalt für den Fernverkehr, sind es nur noch wenige Minuten bis der Zug zwischen den Häusern Freiburgs mit bis zu 120 km/h in den Bahnhof Freiburg(Breisgau) Hauptbahnhof einfährt. Dieser ist auch hier ein wichtiges Drehkreuz mit Verbindungen zwischen Hamburg, Berlin und Ruhrgebiet, teilweise auch den Niederlanden, in die Schweiz, in den Hochschwarzwald nach Titisee und Schluchsee und den Kaiserstuhl, eines der besten Weinanbaugebiete Deutschlands. Hier ist immer was los. Die Bahnsteige sind zur Mittagszeit voll mit Menschen und auf der Stadtbahnbrücke drängen sich ebenso die Menschen zwischen den Fahrgästen der Straßenbahnen und den umsteigenden Fahrgästen der Züge durch.

Bei der Ausfahrt aus Freiburg sehen wir auf der rechten Seite, noch hinter dem Betriebswerk, dessen alte Drehscheibe noch zu sehen ist, die Gleise der Höllentalbahn zum Titisee in den Höhen des Schwarzwaldes. Diese Gleise kreuzen uns noch einmal ein paar hundert Meter weiter, um dann, wenige Kilometer weiter östlich, das Höllental zu erklimmen. Wir jedoch folgen weiter dem Rheintal oder auch dem Oberrheingraben. Im Süden verlassen wir wieder Freiburg und machen uns auf, die wilderen Gegenden des Rheines zu erkunden. Die Strecke wird wieder etwas kurviger. Am Abzweig Schliengen wechseln wir wieder auf eine Schnellfahrstrecke, die uns durch den fast 10km langen Katzenbergtunnel in vielleicht 5 Minuten nach Haltingen, kurz vor Basel bringt. Der Regionalverkehr und ein Großteil des Güterverkehrs jedoch fährt die Altbaustrecke weiter, vorbei am Isteiner Klotz, einem kleinen Bergrücken, der etwas in das Rheintal hineinragt. In direkter Nähe befinden sich die Rheinauen, auf denen man heute sehr gut Kanufahren kann aber auch für Schwimmer finden sich hier schöne Stellen.

 

In Haltingen erreichen wir den Beginn des Rangierbahnhofes von Weil am Rhein und das große Betriebswerk Haltigen der Deutschen Bahn. Hier sind die Fahrzeuge der Hochrheinbahn und zum Teil auch der Rheintalbahn beheimatet und werden hier gewartet. Der Rangierbahnhof dagegen, dessen Mitte in etwa auf Höhe des Bahnhofes Weil am Rhein liegt, dient für den Güterverkehr als Grenzbahnhof zur Schweiz. Befinden wir uns noch auf den Bahnsteigen des Bahnhofes auf deutschem Staatsgebiet kann man schon hinter dem Rangierbahnhof, wenige hundert Meter weiter, die Schweiz sehen. Und so wundert es nicht, dass wir schon hinter den Bahnsteigen die Staatsgrenze zur Schweiz überqueren. Einzig was ausbleibt, ist die Zollkontrolle, die kommt erst, wenn der Zug von Basel Badischen Bahnhof weiter nach Basel SBB fährt oder ich den Badischen Bahnhof verlasse. Der Badische Bahnhof von Basel wird vollständig von der Deutschen Bahn betrieben und hat so auch noch das deutsche Signalsystem und es braucht keine Zusatzbestimmungen für Züge, um hier rein zu fahren. Die Betriebsgrenze befindet sich erst kurz hinter dem Bahnhof weiter in Richtung Basel SBB. Ein bisschen komisch fühle ich mich schon, als ich um 20:34 Uhr hier aussteige. Überall um mich herum befindet sich die Schweiz und doch bin ich sozusagen auf deutschem Gebiet. Wenn ich den Bahnsteig wechsle, kann ich die Zollkontrolle sehen, ich passiere sie aber nicht.

Ich muss schnell machen, denn der IRE in Richtung Friedrichshafen fährt schon 8 Minuten später. Schnell laufe ich zum nächsten Bahnsteig und steige ein. Dieser Zug ist ein weiteres Highlight der Fahrt. Die IRE-Züge werden mit Triebwagen der Baureihe 611 gefahren, einem der wenigen Triebfahrzeuge, das mit Neigetechnik ausgerüstet ist. Das Kurvenfahren macht damit doppelt so viel Spaß.

Langsam fährt der Zug aus dem Bahnhof raus. Draußen dämmert es bereits. Mit pfeilschnellen 160 km/h erreichen wir wieder Deutschland und kommen am wohl südlichsten Standort von BASF in Deutschland in Grenzach vorbei. Auf dem Weg zwischen Basel und Grenzach kann man auf der linken Seite noch die alten Umgehungsgleise der Hochrheinbahn auf die Rheintalbahn entdecken, über die die Züge zu einer Zeit fuhren, zu der sie nicht auf schweizer Staatsgebiet halten durften. Heute ist der größte Teil abgebaut und nur noch der Rest erinnert an diese Zeiten. Doch schnell lassen wir dieses Relikt und Grenzach hinter uns, um weiter auf Rheinfelden(Baden) zuzuhalten. Nach einem kurzen Halt, setzen wir unsere Fahrt fort und kommen an einigen großen Industriefabriken vorbei, die beidseitig der Strecke stehen. Diese sind der Hauptgrund, warum zumindest bis hier her noch Güterverkehr auf der Hochrheinbahn stattfindet. Doch auch diese lassen wir hinter uns und folgen in großen Bögen dem Verlauf des Rheines. Bei Schwörstadt sehen wir ein großes Wasserkraftwerk, nur eines von vielen auf diesem Abschnitt des Rheines. Die Strömung hier ist teilweise so stark, dass es ideale Bedingungen zur Stromproduktion sind. Ein weiteres Wasserkraftwerk können wir kurz hinter unserem nächsten Halt in Bad Säckingen sehen. Bad Säckingen war früher ebenfalls ein bedeutender Bahnhof. Hier mündete die Wehratalbahn von Schopfheim her in die Hochrheinbahn ein. Sie verband die Hochrheinbahn mit der Wiesentalbahn, die von Basel über Lörrach nach Zell im Wiesental und früher noch weiter nach Todtnau führte. Heute existiert der Abschnitt nach Todtnau nicht mehr und auf der Strecke zwischen Schopfheim und Bad Säckingen fahren als Ersatz Busse.

Hinter Murg(Baden) wird die Strecke wieder kurviger, sodass wir sogar mit unserer Neigetechnik langsamer werden müssen. Ein bisschen wird man hier durchgeschaukelt aber nach einer langen Fahrt stört einen das nicht mehr. Am Haltepunkt Laufenburg(Baden), in einer weiten Rechtskurve öffnet sich der Blick auf die wohl beste Aussicht der gesamten Strecke. Im letzten Tageslicht scheint die Sonne auf die sich gegenüberliegenden an die Hänge schmiegenden Altstädte von Laufenburg(Baden) und Laufenburg(CH), die in dem Rheinbogen durch eine alte Steinbogenbrücke miteinander verbunden sind. Majestätisch stehen sich die Burgruinen der beiden Städte hoch oben auf den Hügeln gegenüber. Den auf der deutschen Seite durchqueren wir nun durch den Rappenstein-Tunnel. Hinter Laufenburg werden wir wieder schneller, überqueren ein Teilstück der A98, dem Sorgenkind des Hochrheins, und kommen an einem weiteren Teil Geschichte vorbei. Die in Albbruck ansässige Papierfabrik wurde im Jahre 2012 geschlossen und somit fiel ein weiterer Teil des Güterverkehres weg. Nun soll auch die alte Brück über die Alb abgerissen und neu gebaut werden, wogegen sich aber Widerstand in der Bevölkerung regt.

Die letzten 8km vergehen wie im Fluge und gegen 21:13 Uhr erreichen wir Waldshut, dessen Ausläufer fast bis Dogern reichen. Ab hier verläuft die weitere Strecke bis Erzingen(Baden) eingleisig, sodass die Regionalbahnen ab hier nur stündlich bis Lauchringen weiterfahren, die Verstärkerzüge enden in Waldshut. Von hier aus kommt man auch in wenigen Minuten in das schweizerische Koblenz, direkt gegenüber auf der anderen Rheinseite. Es sei einem dringend geraten den Zug für den Abschnitt zu nutzen, die Staus am Grenzübergang, besonders zur Hauptverkehrszeit, sind berüchtigt und ziehen sich teilweise kilometerweit aus Waldshut heraus Richtung Dogern oder Tiengen. Außerdem kann man während der kurzen Zugfahrt den Ausblick auf die Schweiz genießen oder auch versuchen, das alte Anschlussgleis zur Lonza zu entdecken und zu verfolgen. Nun denn, hier in Waldshut endet auch unsere Reise, die von Bremen bis nach Waldshut fast genau 8 Stunden dauerte....

 

Nachtrag: Diese Beschreibung gibt eine Reiseverbindung wieder, die man nehmen könnte. Ich selber bin so tatsächlich schon gefahren. Die Zeiten und Zugnummern entsprechen der Realität. Die Landschaft wurde so gut es ging beschrieben. Wer nun Reisefieber bekommen hat, der ist natürlich herzlich eingeladen, die Strecke selber mal zu fahren. Ich gebe auch gerne Tipps und Hinweise zur Fahrt und zur Strecke :)

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